GKV oder PKV – Welche Krankenversicherung lohnt sich für einen Physiotherapeuten?

Physiotherapeuten und Krankengymnasten behandeln die körperlichen Beschwerden ihrer Patienten. Unabhängig davon, ob es sich um krankheitsbedingte Schmerzen oder um die Folgen einer Verletzung handelt, findet der Physiotherapeut die optimale Behandlungsmethode.

Bei dieser körperlich häufig sehr anstrengenden Arbeit ist es wichtig, sich als Physiotherapeut auch um die eigene Gesundheit bzw. Gesunderhaltung zu kümmern, um möglichen berufsbedingten Erkrankungen vorzubeugen. Da die Tätigkeit überwiegend im Stehen ausgeführt wird, ist der Rücken stärker belastet sowie durch die manuelle Behandlung auch Rheuma ein typisches Krankheitsbild von Physiotherapeuten.

Wo sind Physiotherapeuten also besser (und günstiger) versichert: in der privaten Krankenversicherung oder doch in der gesetzlichen?

Besser als Physiotherapeut privat versichert

Selbstständige Physiotherapeuten sind im Gegensatz zu den Angestellten für ihren Versicherungsschutz selbst verantwortlich. Ihnen stehen private Krankenversicherungen offen oder sie versichern sich freiwillig gesetzlich. PKV-Anbieter bieten oftmals spezielle, maßgeschneiderte Tarife für die Bedürfnisse von Versicherten in medizinischen Berufen an.

Der Vorteil der privaten Krankenversicherung für Physiotherapeuten liegt unter anderem darin, dass sie sich die Leistungen flexibel und bedarfsgerecht zusammenstellen können und nur das versichern, was sie auch brauchen. Das wirkt sich selbstverständlich auch auf die Beitragshöhe aus, die vor allem bei jüngeren und gesunden privatversicherten Physiotherapeuten deutlich günstiger ausfällt als die von gesetzlich Versicherten in vergleichbarer Situation.

Die private Krankenversicherung leistet bei Krankheit und Unfall und übernimmt je nach gewähltem Tarif die Kosten für die medizinische Versorgung durch Ärzte, Zahnärzte, Heilpraktiker und Krankenhäuser sowie Kosten für Medikamente, Heil- und Hilfsmittel (z. B. Wundmaterial, Brille, Hörgerät, Gehhilfe) in Anspruch zu nehmen. Während die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen kontinuierlich verringert werden, sind die Leistungen der PKV laut den Tarifbedingungen gesichert und nachträglich niemals kürzbar. So werden Leistungen für Heilpraktiker, Zahnbehandlung, Zahnersatz etc. in der privaten Krankenversicherung oftmals höher bezuschusst oder gleich komplett übernommen.

Zudem kann durch Beitragsrückerstattung, eine Selbstbeteiligung oder sorgfältig ausgewählte Leistungsausschlüsse der PKV-Beitrag gesenkt werden.

Die Vorteile der privaten Krankenversicherung für Physiotherapeuten im Überblick (typische Versicherungsbedingungen)

  • Freie Arztwahl
  • Schnelle Terminvergabe, keine lange Wartezeiten
  • Therapie beim Chefarzt
  • Belegung eines Ein- oder Zweibettzimmers im Krankenhaus
  • Versicherungsschutz kann individuell gestaltet werden
  • ggf. Beitragsrückerstattungen, wenn keine Leistungen in Anspruch genommen werden (z. B. keine Rechnungen eingereicht etc.)
  • ggf. Erstattung alternativer Heilmethoden
  • Kostenübernahme bei Sehhilfen (in größerem Umfang)
  • Relativ hohe Zuschüsse bei Zahnersatz

Lohnt sich die private Krankenversicherung für Physiotherapeuten? Die individuellen Vorteile der PKV für Physiotherapeuten richten sich immer nach dem tatsächlich gewählten Tarif, dessen Leistungen und Bedingungen. Bevor Sie als Physiotherapeut eine private Krankenversicherung abschließen, ist noch relevant, dass eine Gesundheitsprüfung vorab durchgeführt wird und Vorerkrankungen (Allergien, chronische Erkrankungen) ggf. zu Risikozuschlägen oder sogar Leistungsausschlüssen führen können. Im Zuge der stark voranschreitenden Digitalisierung der privaten Krankenversicherungen lange nicht mehr so kompliziert ist die Abrechnung, weshalb Privatversicherte hinsichtlich der immer seltener anfallenden Vorleistungen – gerade bei größeren Beträgen – keine große finanzielle Belastung mehr fürchten müssen.

Besser als Physiotherapeut gesetzlich versichert

Für angestellte Physiotherapeuten ist die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung obligatorisch, es sei denn, sie verdienen regelmäßig so viel, dass sie aus der Versicherungspflicht fallen und wieder die Wahl haben. 2022 beträgt diese allgemeine Jahresarbeitsentgeltgrenze (auch Versicherungspflichtgrenze genannt) wie im vergangenen Jahr 64.350 Euro jährlich.

Ein zweiter relevanter Wert für die Wahl der gesetzlichen Krankenkasse ist der Zusatzbeitrag. Denn während der allgemeine Beitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung für alle Versicherten gleich ist, unterscheiden sich die individuellen Zusatzbeiträge der Krankenkassen zum Teil erheblich. Mitte 2022 liegt die Spanne zwischen 0,3 bis 2,4 Prozent, weshalb ein Vergleich der gesetzlichen Krankenkassen für Physiotherapeuten durchaus lohnt.

Auch wer als selbstständiger Physiotherapeut arbeitet, kann sich im Rahmen einer freiwilligen Mitgliedschaft gesetzlich kranken- und pflegeversichern. Als freiwillig versicherter Physiotherapeut müssen Sie Ihren Beitragssatz zahlen und diesen selbst und direkt an Ihre gesetzliche Krankenversicherung abführen. Anders als bei Angestellten, bei denen die Beiträge vom Arbeitgeber automatisch gezahlt werden.

Je nach Einkommen berechnet sich die Beitragshöhe. Viele Physiotherapeuten bezahlen in der GKV einen ermäßigten Beitrag (gemäß Mindestbemessungsgrundlage), um sie zu entlasten, da sie ja keinen Arbeitgeberzuschuss erhalten. Der monatliche GKV-Beitrag wird gemäß Einkommenssteuerbescheid ermittelt und richtet sich nach den vom Gesetzgeber aktuell gültigen Bemessungsgrenzen für Existenzgründer und Selbstständige.

Seit 2019 gilt eine niedrigere Untergrenze für die Berechnung der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, um die Selbstständigen mit geringem Verdienst zu entlasten. Diese Mindestbemessungsgrenze zur Beitragsermittlung beträgt in 2022 1.096,67 Euro monatlich. Die GKV-Beiträge für Selbstständige sind auch nach oben hin gedeckelt. So beträgt die Höchstgrenze für Selbstständige bei 4.837,50 Euro (Stand 2022).

Für alle, die weniger als die Mindestbemessungsgrenze verdienen, wird stellvertretend dieser Unterwert als Rechengrundlage verwendet. Wer ein Einkommen über der Höchstgrenze hat, zahlt trotzdem nur Beiträge, für die dieser Grenzbetrag zugrunde gelegt wird. Übrigens: Selbstständige Physiotherapeuten in Teilzeit mit einem monatlichen Gesamteinkommen von maximal 470 Euro (Stand 2022) dürfen sich beitragsfrei in der Familienversicherung versichern.

Die Kombi: Gesetzlich versichert mit privaten Zusatzbausteinen

Auch wer als angestellter Physiotherapeut in die gesetzliche Krankenversicherung „muss“, kann etwaige Versorgungs- und Leistungslücken mit geeigneten privaten Zusatzversicherungen schließen – und das Versorgungsniveau eines Privatversicherten erreichen.

Ergänzende und beliebte Bausteine als private Zusatzversicherungen zur gesetzlichen Krankenversicherung betreffen beispielsweise:

  • Heilpraktiker-Leistungen
  • Zahnzusatzversicherung
  • Zuzahlungen wie Arznei- und Verbandmittel
  • Vorsorgeuntersuchungen
  • Auslandsversicherung
  • Chefarztbehandlung
  • Ein- oder Zweibett-Zimmer
  • Pflegezusatz- oder Pflegetagegeldversicherung
  • Krankentagegeldversicherung

Mit Krankentagegeld Ausfallzeiten absichern? Ja oder Nein?

Während angestellte Physiotherapeuten im Krankheitsfall meist sicher sein können, dass bei der Arbeit durch geregelte Vertretungen dennoch alles seinen gewohnten Gang nimmt, sieht die Lage für freiwillig versicherte und selbstständige Physiotherapeuten völlig anders aus. Viele stehen ohne Vertretung da und sehen sich durch den Verdienstausfall mit ernsthaften finanziellen Folgen konfrontiert bis hin zur Bedrohung der Existenz.

Eine sinnvolle Absicherung für viele selbstständige Physiotherapeuten ist das Krankentagegeld, das bei Krankheit einen Tagessatz in vereinbarter Höhe leistet und den Verdienstausfall abfedert. Je nach Bedarf vereinbart man die Ausschüttung bereits ab dem ersten Krankheitstag, was teurer ist oder zu einem späteren Zeitpunkt, also erst bei längerer Krankheit.

Lassen Sie sich beraten

Die Entscheidung, welche Krankenversicherung für einen am sinnvollsten ist, sollte nicht auf die leichte Schulter genommen. Eine Beratung von Experten hilft dabei, diese mit Bedacht zu treffen. Gerne beraten wir Sie und beantworten all Ihre Fragen rund um die private sowie gesetzliche Krankenversicherung für Physiotherapeuten. Vereinbaren Sie dafür gerne einen Termin mit uns.

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